Februar - Monat der Reinigung
Der Name kommt vom lateinischen februare, das „reinigen“, „sühnen“, „klären“ bedeutet. Dahinter steckt februum: ein Reinigungsmittel, ein rituelles Werkzeug, manchmal ein Opfer, manchmal schlicht Wasser, Rauch oder Berührung. Reinigung war eine Handlung, die den Übergang vorbereitete.
Im alten Rom war der Februar der letzte Monat des Jahres. Bevor etwas Neues beginnen durfte, musste das Alte geklärt werden. Schulden, Schuld, Unordnung, Spannungen zwischen Menschen und Göttern. Deshalb lagen in diesem Monat die großen Reinigungsfeste, vor allem die Lupercalia. Wild, archaisch, körpernah. Blut, Milch, Lachen, Schläge mit Riemen – Reinigung durch Lebendigkeit, nicht durch Askese.
Lupercalia (auchLuperkalien) war ein antikes römisches Reinigungs- und Fruchtbarkeitsfest, das jährlich am 15. Februar zu Ehren des Gottes Faunus (Lupercus) am Palatin-Hügel gefeiert wurde. Es beinhaltete Opferrituale, Festmähler und rituelle Läufe halbnackter Priester, die mit Ziegenriemen Frauen schlugen, um Fruchtbarkeit zu bringen, und gilt als möglicher Vorläufer des Valentinstags.
Und genau das ist der Punkt, den wir später verlernt haben: Reinigung hieß nicht sauber, brav, keusch. Reinigung hieß frei machen, damit das Leben wieder fließen kann.
Jahreszeitlich passt das perfekt. Der Winter ist noch da, aber er kippt innerlich. Unter der Oberfläche beginnt Bewegung. Der Körper wird unruhig. Alte Energien fühlen sich schwer an. Man will lüften, aussortieren, sich häuten – physisch, emotional, seelisch.
In den vorchristlichen europäischen Kulturen findest du dieselbe Logik: Spätwinter war die Zeit des Ausräumens, des Klärens, des Loslassens von dem, was den Neubeginn blockiert. Imbolc greift genau das auf – als Reinigung des Raumes für das Licht.
Kurz gesagt:
Er ist ein Schwellenraum.
Er fordert Ehrlichkeit.
Er will, dass du Ballast erkennst und ihn bewusst aus dem System nimmst.
Reinigung ist Vorbereitung auf Wahrheit, Wachstum und Verkörperung.
Der Februar eignet sich als Zeit bewusster Reinigung und Vorbereitung. Er kann genutzt werden, um Altes abzuschließen und Voraussetzungen für neue Entwicklungen zu schaffen. Dieser Prozess zeigt sich auf verschiedenen Ebenen und kann Schritt für Schritt gestaltet werden.
Innere Neuausrichtung
Freiräume entstehen oft zuerst im Denken. Wenn gewohnte Annahmen, Zweifel oder wiederkehrende Sorgen bewusst betrachtet werden, wird sichtbar, wo innere Grenzen gesetzt sind. Diese Gedanken können festgehalten, überprüft und anschließend losgelassen werden. Statt sich an Einschränkungen zu orientieren, kann der Blick auf mögliche neue Wege gelenkt werden. Gespräche mit vertrauten Menschen unterstützen dabei, eingefahrene Denkmuster zu erkennen und Klarheit über die eigene Richtung zu gewinnen.
Klärung im Alltag
Auch im täglichen Umfeld kann Entlastung entstehen. Gegenstände, die keine Funktion mehr erfüllen, dürfen weitergegeben oder aussortiert werden. Kleidung, Bücher oder andere Dinge können in neue Kreisläufe gelangen und Platz schaffen. Diese äußere Ordnung wirkt häufig stabilisierend und erleichtert den inneren Prozess. Ebenso kann der eigene Körper bewusst einbezogen werden, indem er entlastet und gestärkt wird. Nährstoffreiche Ernährung, einfache Reinigungsrituale oder Phasen bewusster Ruhe unterstützen dabei, ihn auf den kommenden Jahresabschnitt vorzubereiten.
Raum für Möglichkeiten
Wenn Klarheit entstanden ist, darf sich Offenheit entwickeln. Dabei geht es weniger um konkrete Pläne als um das Benennen dessen, was entstehen soll. Der Weg dorthin muss nicht sofort festgelegt werden. Zu frühe Entscheidungen können begrenzen, während ein offener Blick neue Optionen sichtbar macht. Ein freies Nachdenken ohne Bewertung hilft, Vertrauen in den Prozess zu entwickeln und neue Perspektiven zuzulassen.