Imbolc – Lichtmess

Noch hält der Winter die Erde umschlossen, doch im Verborgenen beginnt sich etwas zu regen. Die Tage werden länger, die Säfte steigen, und im Dunkel gibt das Leben sein erstes leises Ja. Imbolc ist dieses kaum wahrnehmbare Erwachen, das nicht an der Oberfläche geschieht, sondern dort, wo die Kräfte entstehen, die später alles tragen.

Mit dem jungen Licht erscheint die weiße Göttin Brigid, die den Boden öffnet und Bewegung in das Erstarrte bringt. Elementare Kräfte steigen auf, Fruchtbarkeit regt sich, und der Bär streckt schlaftrunken seine Nase aus der Höhle – Sinnbild des jungen, noch verhüllten Sonnengottes, wild und von roher Lebenskraft durchdrungen.

Imbolc erinnert an jene ungebrochene Lebendigkeit, die selbst durch Frost und Schnee hindurchbricht, eine Kraft, die wir aus Kindheit und Jugend kennen und die auch im Menschen Müdigkeit und innere Starre zu lösen vermag, wenn wir uns ihr wieder öffnen.

Die alten Märchen bewahrten dieses Wissen, etwa im Bild des Bären mit dem verborgenen Gold, der sich als junger König entpuppt, und in den Gestalten von Schneeweißchen und Rosenrot, Spiegelungen der jungen Göttin selbst.

Brigid ist eine Göttin des Feuers, Hüterin der heiligen Flamme. Ihr feuriger Pfeil ist der erste Sonnenstrahl des Frühlings ebenso wie der innere Funke von Liebe, Begehren und schöpferischer Kraft. Deshalb wurde Imbolc als Fest der wiederkehrenden Sonne mit neu entzündeten Feuern gefeiert, begleitet von der Schlüsselblume, die die Tore zum Leben öffnet.

So stark war ihre Verehrung, dass sie als Maria Lichtmess ins Christentum hinüberwirkte, während im Volksbrauchtum das geweihte Licht durch Häuser und Ställe getragen wurde, um Schutz und Erneuerung in den Alltag zu bringen.

Der Tag galt als Lostag, an dem man den Winter befragte, vor allem durch den Bären, dessen Verhalten über die Dauer der Dunkelzeit entschied. Bär und Biene, Brigids Lieblingstiere, verbanden rohe Kraft und süße Fülle, deren Honig als heilige Substanz galt und im Met die Nähe zur Weißen Göttin bewahrte.

Da Brigids Wirken bis in den Frühling reichte, fielen in diese Zeit auch Feste der Ausgelassenheit, der Verliebtheit und des närrischen Überschwangs, getragen von erotischer Spannung und schöpferischem Chaos, das sich nie vollständig bannen ließ.

Zugleich markierte Imbolc den Beginn des Bauernjahres, sichtbar gemacht durch Lichtmess-Säulen, die den Lauf der Sonne und des Jahres bestimmten, bis sich der Kreis im Herbst erneut schloss.

… und manchmal genügt ein einzelner Sonnenstrahl auf der Haut, um zu spüren, dass etwas sehr Altes in uns wieder zu atmen beginnt, denn Erinnerung ist der erste Schritt jeder Wandlung.

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